Das Konstrukt ICH. Das ge-zeichnete Selbst 09.02.2017 – 18.03.2017
Das Konstrukt ICH, Installation View, Fotografin: Jessica Schäfer
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Das Konstrukt ICH, Installation View, Fotografin: Jessica Schäfer 7/16
Koerperzeichnung, 1976, video still
Koerperzeichnung, 1976, video still 8/16
aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm
aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm 9/16
aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm
aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm 10/16
aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm
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aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm
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aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm
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aus der Serie: Permanente Demonstration, 1976, 30 x 40 cm
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Annegret Soltau, Ich bedrückt, 1977
Annegret Soltau, Ich bedrückt, 1977 15/16
Annegret Soltau
Annegret Soltau 16/16

Am 8. Februar eröffnet die Galerie Anita Beckers die Ausstellung Das Konstrukt ICH. Das ge-zeichnete Selbst von Annegret Soltau. Die Ausstellung zeigt Fotovernähungen, Fotoradierungen und Performance-Videos der Künstlerin von 1975 bis heute.

Vernissage: 8. Februar 2017, 19 – 21 Uhr

Ausstellungsdauer: 09.02. – 18.03.2017

Annegret Soltau ist eine Pionierin auf dem Gebiet der feministischen Kunst und der Body Art, doch erzeugen Ihre Werke bis heute auch Kontroversen. Immer wieder werden Arbeiten von ihr als anstößig empfunden, zensiert, oder aus Ausstellungen entfernt. Im digitalen Zeitalter, in dem das Internet eine anonyme Plattform bietet, scheinen so konkrete und gleichzeitig körperlich nicht normierte Bilder befremdlich. Ihre Werk besticht bis heute durch eine ungebrochene Authentizität.

In ihrer Arbeiten zeichnet Soltau ihr Ich. Doch braucht sie dazu weder Stift noch Papier. Sie benötigt eine Kamera, einen Faden und ihren Körper. Seit mehr als 40 Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit ihrer psychischen und physischen Identität. Dabei bezieht sie auch Ihr Umfeld, ihre Familie und ihre Kinder, immer wieder in Ihre Arbeiten ein.

Der Faden, den sie in ihren Performances und Selbstportraits verwendet, umschließt Gesichter und Körper wie ein sicherer Kokon, verdeckt und verzerrt, und bleibt dennoch flexibel. Das für die Übernähung verwendete Garn, kann zeichnerisch verstanden werden, löst aber ihre fotografischen Bilder aus einer rein visuellen Erfahrung und transportiert sie in eine haptische Wirklichkeit. Ihre frühen Arbeiten befinden sich im Kontrast wirr gesponnener Schnüre und präzise gestochenen Stickereien, wie Ihre Serie Selbst von 1975. Immer wieder benutzt Soltau auch die Nadel. Sie sticht sie in Ihre Fotografien und benutzt sie um Negative zu gravieren und zu zerkratzen, oder um Fotofetzen zusammenzunähen. Es ist, als würde sie nicht mehr nur die Grenzen ihres Körpers erforschen, sondern sie überwinden. Sie vernachlässigt immer mehr die anatomischen Gesetze und schafft menschenähnliche Monster. Die Fragen und Anliegen, die die Künstlerin beschäftigen und der starke biografische Bezug, ziehen sich ebenso wie ein Faden durch ihr Werk, wie der Faden selbst es tut.

Soltaus Fäden werden ganz unterschiedlich eingesetzt. In dem Text Annegret Soltau. Spinnen, Umgarnen, Nähen – emanzipatorische Fadenspiele (2015) schriebt Leena Crasemann: „Über das Spinnen und später vor allem über das Nähen greift Soltau auf jahrhundertealte Kulturtechniken zurück und verbindet diese mit der Fotografie. Auf diese Weise de(kon)struiert sie weiblich kodierte Handarbeitstechniken und veranlasst über ihre Aneignung eine kritische, konstruktive Neubesetzung der Dichotomien von Handwerk versus Kunst, weiblich versus männlich, fotografischem Bild versus installativem Objekt – und darin liegt letztlich das avantgardistische, emanzipatorische Potenzial ihrer sehr eigenen, künstlerischen Sprache begründet“.

BIOGRAFIE: Annegret Soltau wurde 1946 in Lüneburg geboren. Sie studierte ab 1967 Malerei und Grafik an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, bei Prof. Hans Thiemann, Prof. Kurt Kranz, Prof. Rudolf Hausner, David Hockney und ab 1972 an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Seit 1975 erhielt Annegret Soltau viele Stipendien und Auszeichnungen, darunter das Werkstipendium von den Kunstfonds eV., Bonn (1982), ein Stipendium für die Villa Massimo in Rom (1986-87), den Sybilla-Merian-Preis (1999) und 2011 den Marielies Hess-Kunstpreis. Auch in Darmstadt, wo die Künstlerin heute lebt und arbeitet, wurde sie im Jahr 2000 mit dem Wilhelm-Loth-Preis und 2016 mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis ausgezeichnet. Nach vielen Einzelpräsentationen und Ausstellungsbeteiligungen weltweit, u.a. im MOCA Los Angeles, im NMWA Washington, und im MoMA PS1 New York, zeigte 2006 die Mathildenhöhe in Darmstadt eine Retrospektive ihres Werkes. Ihre Arbeiten sind weltweit in renommierten Sammlungen vertreten, darunter in der Hamburger Kunsthalle, der Staatsgalerie Stuttgart, der Kunsthalle Bremen, der Sammlung Deutsche Bank und der Sammlung Verbund.

Am Januar 21, 2017 hielt Soltau eine Rede bei der Kundgebung der Women’s March in Frankfurt.

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We are proud to announce the solo exhibition with the artist Annegret Soltau. For the exhibition DAS KONSTRUKT ICH. DAS GE-ZEICHNETE SELBST, we will be showing sewn photographs and performance videos from 1975 to today.

Vernissage: 8. Februar 2017, 19 – 21 Uhr

Duration of Exhibition: 09.02. – 18.03.2017

Annegret Soltau is a pioneer in the field of feminist art and Body Art, however, her works still generate controversy today. Again and again her artworks are considered offensive, are censored or pulled from exhibitions. In the digital age where the internet offers an anyonymous platform to users, such concrete and physical images seem disconcerting. Today, her work boasts an unbroken authenticity.

In her work, Soltau draws her I. However, she does not need pencil and paper for this. Instead she needs a camera, a thread and her body. For over 40 years, the artist has occupied herself with her physical and mental identity. In doing so, she utilizes her environment, her family and children over and over in her work.

The thread that she uses in her performances and self portraits encompasses faces and bodies like a safe cocoon; hidden and distorted but also flexible. The thread used for sewing over the photographs can also be understood as an element of drawing. However, it also frees the photographs from their purely visual experience and transports them into a haptic reality. Her early works are situated in the contrast of tangled threads and precise pin pricks resembeling embroidery, like her series Selbst (Self) from 1975. Soltau uses the needle often in her works. She stabs it into her photographs, scratchs the negatives with it or sews torn photographs together. It is as if she does not explore the limits of her body anymore, but rather goes beyond them. More and more she neglects the anatomical laws and creates people-like monsters. The questions and concerns that the artist has explored and the prominent biographical relavance, string her oeuvre together, just like the physical threads do.

Soltau’s threads are utilized in various ways. In the article Annegret Soltau. Spinnen, Umgarnen, Nähen – emanzipatorische Fadenspiele (2015),  Leena Crasemann wrote “Through the spider and later mainly through sewing, Soltau uses cultural techniques that are hundreds of years old and connects them to photography. In this way she deconstructs the femininely coded techniques of handiwork and, through her approach, creates a critical, constructive new occupation of the dichotomies of handiwork versus art, masculine versus feminine, photographic image versus installative object – and this is where the avant garde, emancipatory potential of her own artistic language was founded.

BIOGRAPHY: Annegret Soltau was born in 1946 in Lüneburg. She studied painting and graphics at the Hochschule für Bildende Künste in Hamburg under Prof. Hans Thiemann, Prof. Kurt Kranz, Prof. Rudolf Hausner, David Hockney. In 1972, she graduated from the Akademie der Bildenden Künste in Wien. Since 1975, Soltau has been awarded various prizes and scholarships, including the Work-Scholarship from the Kunstfonds eV., Bonn (1982), a scholarship from Villa Massimo in Rome (1986-87), the Maria-Sybilla-Merian-Prize (1999) and the Marielies Hessen-Art Prize in 2011. In Darmstadt, where the artist lives and works today, she was awarded the Wilhelm-Loth-Prize in 2000 and the Johann-Heinrich-Merck-Prize in 2016. Aside from many solo and group exhibitions worldwide, including at MOCA Los Angeles, at NMWA Washington and at MoMA PS1 New York, the Mathildenhöhe in Darmstadt showed a retrospective of her work in 2006. Her works are in diverse collections around the world including the Hamburger Kunsthalle, the Staatsgalereie Stuttgart, the Kunsthalle Bremen and the collection of the Deutsche Bank.

On January 21, 2017, Soltau held a speech at the Women’s March in Frankfurt.