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Kota Ezawa gehört spätestens seit seinen verschiedenen Präsentationen in den wichtigsten amerikanischen Museen zu einem der meistbeachteten, mit digitalen Medien arbeitenden Künstler. Bis zum 27. Juni präsentiert die Galerie Anita Beckers die Ausstellung „Group Show“, eine Einzelausstellung mit Video-, Film-, Fotografie-, Malerei- und Bildhauerarbeiten des in San Francisco lebenden Künstlers.
Group Show” wendet das Konzept einer Gruppenausstellung mehrerer Künstler auf die Arbeit eines einzelnen Künstlers an. Die Ausstellung befasst sich mit einer Auswahl an Themen von zeitgenössischer Kultur bis hin zur Kunstgeschichte und stellt eine Reihe formaler Strategien wie Abstraktion und Darstellung vor. In ihrer Gesamtheit versucht “Group Show”, die Idee einer Gruppenausstellung als konzeptionellen Rahmen für eine Einzelausstellung neu zu definieren.
Kota Ezawa arbeitet mit Motiven und Bildern, die wir alle schon einmal gesehen haben und die uns im Gedächtnis geblieben sind. Er baut seine Arbeiten Bild für Bild in Handarbeit am Computer auf, als eine Art digitaler Annäherung. Die Arbeitsweise ist vergleichbar dem Scherenschnitt, entsteht aber unter Verwendung digitaler Computertechnik. Statt seine Ausgangsbilder durch Softwaretechnologie zu filtern, um sie wie Animationen aussehen zu lassen, rekonstruiert er jedes einzelne Bild unter Verwendung von Zeichensoftware. Das Ergebnis ist eine künstliche, farblich limitierte Darstellung mit wenig Details, wie “Photo Secession” bezeugt. Basierend auf einem bekannten Foto, das Alfred Stieglitz’ Fotogalerie im New York der 20er Jahre zeigt, könnte “Photo Secession” als das Titelbild der aktuellen Ausstellung betrachtet werden. Auf die gleiche Weise in der Stieglitz’ Ausstellung Kultfotos versammelte und die Autonomie des Mediums statuierte, behandelt Ezawas “Group Show” auf kritische und intensive Art historische Bilder.
Seine Arbeiten werden oft mit einem Warhol Siebdruck oder einem South Park Zeichentrickfilm verglichen, sie sind angesiedelt zwischen Alltagskultur, politischer Aktion und Kunst.
“Brawl” (2008), ein vierminütiger Animationsfilm, folgt genau dieser Strategie der Informationsreduzierung, die zu Ezawas Markenzeichen geworden ist. Ausgehend von einem You Tube Video, das eine berüchtigte Prügelei von 2004 zeigt, die zur Sperrung von neun NBA Spielern führte, hebt der Film das unterschwellige Interesse des Künstlers an räumlichen Fragen hervor.
“Lyam 3 D” (2008), ein Animations-Stummfilm, basierend auf dem wegweisenden Resnais’ Film „Letztes Jahr in Marienbad“ (“L’Année dernière à Marienbad”), greift die Herausforderung auf, die Größe der Kinematographiesprache in eine kameralose Technik wie die der Animation zu übertragen. Durch ausschließliche Konzentration auf die ursprünglichen Kameraeinstellungen, in denen die Schauspieler beinahe regungslos bleiben, erzielt “Lyam 3D” letztendlich ein intensives und unerwartetes architektonisches Gefühl.
Immer inspiriert durch ikonische Nachrichten aus den Archiven, wie “Riefenstahl” und “Schleyer”, oder Filmmaterial, scheinen Ezawas Arbeiten zu betonen, dass die Erinnerung an die Vergangenheit untrennbar von unseren durch Fernsehen, Zeitungen und Kino vermittelten Bildern wurde. Manchmal geht er sogar so weit zu zeigen, wie sehr die Art, in der wir uns normalerweise erinnern oder Ereignisse interpretieren, von den Medien, in denen sie aufgezeichnet wurden, beeinflusst wird; seine stilistische Methode zeigt, dass die Artikulierung zwischen Erinnerung und Medien eine relativ neue und dennoch unstrittige ist.
Als eine solche Versuchsanordnung wie wir Geschichte und ihre Darstellung nutzen ist beispielsweise das Dia “Rocket Test” (2006) zu bewerten. Ein Dokument, welches Colin Powell seinerzeit dem UN-Sicherheitsrat präsentierte, um zu beweisen, dass Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen produzierte.
Seine eigene Tätigkeit beschreibt Ezawa als eine Form von “Videoarchäologie” Letztendlich hinterfragt der Künstler, wie sich historische Bilder – in einer medienbelasteten Kultur –in unserem kollektiven Gedächtnis durchsetzen.
1969 in Köln geboren, studierte Kota Ezawa an der Düsseldorfer Kunstakademie, dem San Francisco Art Institute und der Stanford University und lebt und arbeitet heute in San Francisco. Seine Arbeiten wurden an Orten wie dem Metropolitan Museum of Modern Art, New York, San Francisco Museum of Modern Art, Art Institute of Chicago gezeigt. Er hatte Einzelausstellungen im St. Louis Art Museum; Hayward Gallery, London; ArtPace, San Antonio; Santa Monica Museum of Art; Wadsworth Athenaeum, Hartford; and Charles H. Scott Gallery, Vancouver.
Öffnungszeiten der Galerie:
Di – Fr 11:00 – 18:00 Uhr
Sa 11:00 – 14:00 Uhr
Und nach Vereinbarung
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